Nationalpark
Berchtesgaden

Das Raum-Zeit-System des Rotfuchses

Forschungsbericht 17

Untersuchungen der Lebensraumansprüche und der Aktivitätsrhythmik desRotfuchses (Vulpes vulpes) im Alpenpark

W. Berberich, W.d`Oleire-Oltmanns, 1989

72 Seiten, 45 Abbildungen

Inhaltsverzeichnis

Zur Zusammenfassung

Einleitung und Fragestellung 5

Allgemeine Biologie von Vulpes vulpes 6

Untersuchungsgebiete 7

1. Beschreibung des Gesamtgebietes 7
2. Beschreibung der Untersuchungsflächen 8
3. Jagdliche Situation 10

Teil 1: Raumorganisation 11

Einleitung 11

Material und Methoden 11

1. Fang 11
2. Alters- und Geschlechtsbestimmung 11
3. Markierung 12
4. Telemetrie 12
5. Radiotracking 12
6. Homerange-Bestimmungsmethoden 13
7. Geographisches Informationssystem (GIS) 13
8. Ausstattung der Homeranges 14
9. Interne Nutzung des Homeranges 14
10. Habitatpräferenzbewertung 14
11. Statistikauswertung und graphische Darstellung 19
12. Erstellen von Potentialkarten 19
Ergebnisse 21
1. Größe, räumliche Lage und Ausstattung der Homeranges 21
2. Lebensraumnutzung 22
3. Habitatpräferenzen 25
4. Homerangegröße in Abhängigkeit der Lebensraumausstattung 27
5. Potentialkarten"Nutzung" und "Präferenz" 27
Diskussion 31
1. Zur Methodik 31
2. Anpassungsmechanismen an menschliche Landnutzungsformen 32
3. Potentialkarten 34

Teil 2: Migration 35

Einleitung 35
Material und Methoden 35
Ergebnisse 35
1. Zeitpunkt der Wanderungen 35
2. Länge und Richtung der Wanderungen 35
3. Individuelle Wanderstrecken 35
Diskussion 38
1. Auflösende Faktoren für die Wanderung 38
2. Entfernung, Richtung, Orientierung 39

Teil 3: Lage und Verteilung der Fuchsbaue (Baugebietsstrukturanalyse) 40

Einleitung 40
Material und Methoden 40
Ergebnisse 42
1. Bedeutung der Landschaftsparameter für die Auswahl der Baugebiete 42
Diskussion 43

Teil 4 : Aktivitätsrhythmik 45

Einleitung 45
Material und Methoden 45
Ergebnisse und Interpretation 46
1. Tag-,Nacht und Dämmerungsaktivität im Jahresverlauf 46
2. 24-Stunden-Rhythmus der Aktivität im Jahresverlauf 47
Diskussion 50
Zusammenfassende Diskussion 52
Zusammenfassung 54
Summary 56
Literaturverzeichnis 57
Anhang 60
Danksagung 68
Die Anwendung der Untersuchung über das Raum-Zeit-Verhalten des Rotfuchses für die Tollwutimpfung (W.d`Oleire-Oltmanns) 69
1. Auftreten der Tollwut 69
2. Lebensraumverteilung im Nationalpark und Umland 69
3. Jagdsituation 69
4. Die Durchführung der Feldimmunisierung im Nationalpark 69
5. Die Übertragbarkeit der Methode auf andere Gebiete 70

Zusammenfassung

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1. In einer 4-jährigen Feldstudie wurde von 1981 bis 1985 im Alpen- und Nationalpark Berchtesgaden Untersuchungen zur Raumorganisation und zur Aktivitätsrhythmik des Rotfuchses (Vulpes vulpes, L.) Im Hochgebirge durchgeführt.
2. Es wurden 31 Füchse gefangen und davon 24 Tiere mit Radiosendern markiert. Von 20 Füchsen liegen 3396 Ortspeilungen vor. Die Beobachtungszeiträume lagen zwischen 31 und 306 Tagen pro sendermarkiertem Tier.
3. Für die raumbezogene Auswertung stand ein Geographisches Informationssystem zur Verfügung, dessen Möglichkeiten für die allgemeine Beurteilung von Raum-Zeit-Systemen bei Wildtieren aufgezeigt werden.
4. Die Größe der Homeranges hängt in starkem Maße von der verwendeten Berechnungsmethode ab. Es wird ein neues, nach einem Modul der ARC/INFO-Software benanntes Buffer-Modell zur Bestimmung der Homeranges vorgestellt. Die Größe der Homeranges beträgt im Untersuchungsgebiet für Jungfüchse 50-100 ha, für subadulte 100-200 ha und für adulte Tiere 200-300 ha.
5. Hinsichtlich der räumlichen Lage sind die Lebensräume der Talfüchse und der Bergfüchse voneinander zu unterscheiden. Die Anpassung des Fuchses an die unterschiedlichen landschaftlichen Gegebenheiten kommt in einer hohen Diversität der Homerange-Ausstattungen zum Ausdruck.
6. Füchse nutzen tageszeitabhängig voneinander abgrenzbare Teilbereiche ihrer Homeranges. Dieses räumlich-zeitlich differenziert Verhalten muß als Anpassung an die unterschiedliche ökologische Qualität dieser Teilbereiche, vor allem aber auch an die zeitlich differenziert intensive Nutzung dieser Flächen durch den Menschen angesehen werden. Der Generalist Fuchs ist daher eher als ein zu hoher Anpassung an menschliche Nutzungsformen befähigter Spezialist zu bezeichnen.
7. In montanen und alpinen Landschaften stellt besonders die bewaldete Berghangzone für unsere heimischen mittelgroßen und großen Raubsäuger ein wichtiges Rückzugsgebiet aus den von menschlicher Nutzung stark geprägten Talräumen dar.
8. Mehr noch als die intern Nutzung der Homeranges zeigen die Habitatzpräferenzen tageszeitabhängig deutlich unterscheidbare Bedürfnisse des Fuchses an seinen Lebensraum. Am Tage bevorzugt aufgesuchte Landschaftsstrukturen werden meist nachts gemieden und vice versa.
9. Der Fuchs ist ein Nahrungsopportunist. Als solcher macht er durch sein gezieltes Aufsuchen der verschiedenen Kleinstrukturen deutlich, welch wichtige ökologische Funktion solchen Kleinstlebensräumen zukommt.
10. Die Lage und Größe der Homeranges ist derart beschaffen, dass ein Wechseln zwischen tags und nachts genutzten Gebieten einerseits unter geringstmöglichem lokomotorischem Energieaufwand und unter minimaler Belastung des Zeitbudgets möglich ist, andererseits auch die Ernährungs-und Rückzugsbedürfnisse des Fuchses berücksichtigt.
11. Die Größe der Homeranges hängt eng zusammen mit dem relativen Flächenanteil nachts bevorzugt aufgesuchter Flächen. Ein umgekehrt proportionaler Zusammenhang zwischen Habitatqualität und der Größe eines Homeranges wird bestätigt.
12. Die Ergebnisse des Raumnutzungsverhaltens aus den 3 Untersuchungsgebieten werden in Potentialkarten auf den gesamten Alpenpark übertragen. Die im Nationalpark und seinem Vorfeld vorhandenen optimalen Fuchslebensräume können flächenhaft dargestellt, die Höhe des Fuchsbestandes für das Gesamtgebiet unter Berücksichtigung individueller Raumansprüche und weitere biologischer Parameter abgeschätzt werden.
13. Zeitpunkt, Entfernung und Richtung von Fuchswanderungen werden an 4 subadulten und 1 adulten Rüden dargestellt. Bei Fähen wurde keine Migration beobachtet. Mögliche Faktoren, die das Wanderverhalten initialisieren, werden diskutiert. Ein gut entwickelter Orientierungssinn ist aufgrund der Untersuchungen zu vermuten.
14. Eine Bejagung des Fuchses im Nationalpark als Präventivmaßnahme gegen eine Ausbreitung der Tollwut erscheint fragwürdig. Die im Frühjahr und Herbst 1988 von der WHO durchgeführten Impfaktionen werden als einzig adäquate Maßnahme betrachtet.
15. Lage und Verteilung von 104 Fuchs- und Dachsbauen werden in Abhängigkeit verschiedener Landschaftsstrukturen dargestellt. Präferenzen gegenüber bestimmten Waldtypen werden miteinander verglichen. Die Bedeutung kleinklimatischer Standortverhältnisse muß als wesentlicher Faktor für die Auswahl eines Baugebietes getrachtet werden.
16. Menschliche Landnutzungsformen beeinflussen in hohem Maße die Verteilung der Fuchsbaue in einem Gebiet. Ein hoher Wald-Feld-Grenzindex führt zu einer Anhäufung der Baue (Edge-Effekt)
17. Die meisten Tierarten haben im Laufe der Evolution Aktivitätsmuster entwickelt, die eine Anpassung an den periodischen Wechsel der Umweltbedingungen erkennen lassen. In der vorliegenden Arbeit wird das Aktivitätsmuster von Füchsen in seinem Jahresverlauf sowie im 24-Stunden-Rhythmus dargestellt. Es wurden ca. 42 000 Meßdaten ausgewertet.
18. Entsprechend der geophysikalischen Periodizitäten ändert sich im Jahresverlauf das täglichabgeleistete absolute Aktivitätspensum; dies gilt sowohl für den Tag, für die Dämmerung und für die Nacht. Der überwiegende Teil des Jahresaktivitätspensum wird nachts abgeleistet. Lediglich in den Monaten Juni bis Juli ist die am Tag aktiv verbrachte Zeit länger als die der Nacht.
19. Der jährliche Aktivitätsverlauf hängt nicht primär von der Sonnenscheindauer, sondern vielmehr von der komplementär sich verhaltenden Länge der Nacht ab. Mit kürzer werdenden Nächten wird die zur Verfügung stehende Zeit zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang immer vollständig genutzt. Die Füchse sind im Winter nachtaktiv, im Sommer nacht- und dämmerungsaktiv.
20. Der saisonabhängige Tagesgang der Aktivität zeigt sich in modifizierter, prinzipiell aber gleicher Form sowohl bei adulten als auch subadulten Füchsen - unabhängig vom Geschlecht. Er kann als typische Grundmuster der Aktivität von Füchsen angenommen werden.
21. Ein an Bedarf und Feindvermeidung orientiertes und den Energiehaushalt berücksichtigendes Verhalten bestimmt den gesamten Jahresablauf der Aktivitätsrhythmik des Fuchses.
22. Ein möglicher Einfluß des Jahrestemperaturverlaufs, allgemein klimatischer Verhältnisse und der sich ändernden Länge der Tagesabschnitte im Jahresverlauf auf die Notwendigkeit zu nachtaktivem Verhalten bei unseren heimischen Raubsäugern wird diskutiert. Vor diesem Hintergrund wird auf den offensichtlichen Zusammenhang von artspezifischer Ernährungsweise und unterschiedlichen Strategien im Aktivitätsverhalten unserer Raubsäuger hingewiesen.